re:publica 2012 revisited

re:publica 2012 Twitterwall

Digital wird analog: alle Twitter-Meldungen mit dem Hashtag #rp12 auf der analogen Twitterwall

4000 Besucher und 270 Redner aus 30 Länder trafen sich auch dieses Jahr wieder auf der Bloggerkonferenz re:publica, um über die digitale Gesellschaft  zu diskutieren. Drei Tage lange drehte sich alles um das Netz und Themen von ACTA über Occupy bis Interporn. Dabei ist festzustellen: Das Web ist erwachsen geworden und der Rest der Welt merkt das so langsam. In Sachen Netz vor Ort bleibt es wie immer, re:publica mit W-LAN gibt es auch 2012 nicht.

Schön war’s. Die re:publica in Berlin lieferte auch dieses Jahr wieder drei Tage lang spannende, technikoptimistische Dauerdröhnung, wie die Taz treffend bemerkte. (Randnotiz: Autorin Meike Laaf vermisste dort übrigens den Ex-Chefredakteur der Welt am Sonntag und Cheflobbyisten für Leistungsschutzrecht Christoph Keese, dabei war genau dieser unter den Besuchern, was Keese auch selbst in den Taz-Kommentaren richtig stellte).

Piratenpartei meets Internet-Porno meets Spam-Poetry

Cirka 4000 Besucher strömten vom 02.05. bis 04.05. in den ehemaligen Postgüterbahnhof Station. Drei Tage drehte sich alles um netzpolitische Themen wie Netzneutralität (Stichwort ACTA,) Anonymous, Occupy, Open Data, Crowdfunding und die Piratenpartei. Aber auch über Netzkulturthemen wurde diskutiert, wie das Lernen im Netz, Leetspeak, Ragefaces, Hackerbrausen oder Internet-Pornos. Es wurde viel Club Mate getrunken, aktuelle technische Entwicklungen beleuchtet, wie Cloud-Computing, und deren Auswirkungen auf die analoge und digitale Gesellschaft.

Zur Unterhaltung gab es twitternde Astronauten, Spam-Poetry und Bullshit-Bingo.

Das Motto in diesem Jahr lautete kurz und knackig ACTION, als Symbol für die Schubkraft sozialer Medien für politische Bewegungen – ein klares Zeichen, dass das Netz erwachsen geworden ist. Genau genommen ist es das Web zwar schon lange, aber mittlerweile wird das Netz auch in der „echten Welt“ immer stärker wahrgenommen und fordert das auch ein, nicht nur als Spielwiese für Nerds und Gamer, sondern auch auch als politischer Akteur, siehe Piraten, Anonymous & Co.

Weniger blasse Nerds, mehr Ladies und Internet-Styler

Ansonsten blieb ein altes Problem ungelöst: Re:publica mit ohne Internet geht scheinbar nicht. Wieder einmal war das W-LAN-Netz völlig überlastet vom Ansturm der 4000 Teilnehmer. Das ist umso mehr schade, da dieses Problem doch bekannt sein dürfte.

Sinnvollerweise fand die sechste re:publica im Rahmen der fünften Web-Week statt, quasi als erstes Highlight und Headliner. Eigentlich verwunderlich, warum es bis es zu dieser Kooperation solange gedauert hat.

Spannend zu beobachten, finde ich, wie sich das Publikum in den letzten Jahren verändert hat. Während der Anteil der blassen Nerds seit der ersten re:publica 2007 konstant gefallen ist, sind die szenigen Internet-Styler auf dem Vormarsch und auch der allgemeine Frauen-Anteil ist deutlich gestiegen. Gehört das eigentlich auch zum Erwachsenwerden des Netzes?

Die Internetrevolution kommt voran ohne ihre Kinder zu fressen

Für mich war die re:publica in den letzten Jahren auch immer ideal um mich über neue Ideen oder technische Entwicklungen im World Wide Web upzudaten. Hier gab es dieses Jahr, jedenfalls für mich, kein bahnbrechendes Highlight, aber das Gefühl, dass die Internet-Revolution tatsächlich vorankommt, ohne ihre Kinder zu fressen. Vor allem im Bereich Netzpolitik konnte ein optimistischer Markus Beckedahl über beachtenswerte Erfolge wie bei der ACTA berichten.

Ansonsten stellte sich die neue Location insbesondere für notorische Vortrags-Hopper wie mich als überaus geeignet heraus. Kurze Wege, Stühle to go und keine überfüllten Vorträge, statt Schweiß und Treppenstau wie in den letzten Jahren. Auch das industrielle Fabrikfeeling des ehemaligen Bahnhofs bildet einen spannenden Kontrast zur digitalen Welt.

2012 wird zum Jahr des Blogs für 5 Euro Bier-Pool-Gebühr

Eben gerade stelle ich begeistert fest, dass eine Vielzahl der Vortrags-Videos bereits online sind. Dem festen Vorsatz dieses Jahr aber wirklich ein paar Sessions nachträglich anzuschauen steht also nichts mehr im Weg.

A propo Vorsätze: In seinem mal wieder großartigen Rundumschlags-Vortrag gab Sascha Lobo auch das aktuelle Motto für mich aus. Internetversteher Lobo fordert 2012 zum Jahr des Blogs zu machen. In diesem Sinne ziehe ich ernsthaft in Erwägung den Iron Bloggern Berlin beizutreten. Als Motivationshilfe zahlt hier jeder 5 Euro in den „Bier Pool“, wer es nicht schafft jede Woche einen Blogeintrag zu schreiben.

Puuh, diese Woche habe ich es gerade noch geschafft.

 

Ein Gedanke zu “re:publica 2012 revisited

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