Re:publica 2007 – 2016: Vom Blogger-Klassentreffen zum Hipster-Event

Re:publicaTEN fand vom 2. bis 4. Mai 2016 in Berlin statt

Re:publicaTEN fand vom 2. bis 4. Mai 2016 in Berlin statt

Die Re:publica feiert in diesem Jahr ihr zehntes Jubiläum. Einst als Bloggerkonferenz gestartet, ist die Re:publica erwachsen geworden, etwas spießig, aber auch bunter, vielfältiger und hip.

Im Jahr 2007 fand die erste Re:publica unter dem Titel „Leben im Netz“ statt. 700 Blogger, trafen sich in der Berliner Kalkscheune um über Themen wie Creative Commons, Politik 2.0, Datenschutz und nichts weniger als die Medienrevolution zu sprechen. Es war die das Jahr des ersten iPhones, StudiVZ, Web 2.0 und Knut dem Eisbär.

Die digitale Aufbruchstimmung war groß. Das Internet und allen voran Weblogs versprachen aus Sicht der Technologie-begeisterten Teilnehmer alles anders und besser zu machen.

Neun Jahre später: Die Re:publica ist erwachsen geworden

Neun Jahre später hat sich die Euphorie gelegt. Statt der besseren Welt, gab es Vorratsdatenspeicherung, NSA-Affäre, Hate Speech und Online-Enthauptungsvideos vom IS.

Und aus dem einstigen Blogger-Klassentreffen ist ein internationales Mega-Event geworden. Die Re:publica versteht sich nunmehr als „europe’s most inspiring conference on internet and society.“ Die Veranstalter erwarten an den drei Tagen über 7.000 Teilnehmer.

Die Themen drehen sich immer noch um die digitale Gesellschaft, aber das Spektrum ist facettenreicher und in gewisser Weise auch „erwachsener“ geworden. Es geht um „ernste Themen“ wie Business & Innovation, digitale Bildung, eHealth, Fashion, Kunst und Kultur. Die Szene hat sich professionalisiert und ist Teil einer Internet-Industrie geworden.

Auch die Grabenkämpfen zwischen Bloggern und Journalisten, die einst um die Deutungshoheit im Web stritten, sind vergessen. Weblogs sind Teil der Medienwelt geworden ohne eine Medienrevolution auszulösen. Klassische Medien und Blogs existieren mehr oder weniger in friedlicher Ko-Existenz nebeneinander.

Insofern ist es fast logisch, dass seit 2014 im Rahmen der Re:publica die Media Convention Berlin stattfindet. Hier treffen sich Medienschaffende aller Art um über aktuelle Entwicklungen zu diskutieren – in diesem Jahr mit Live-Schalte zu Stargast Edward Snowden.

Die Re:publica ist internationaler, weiblicher und hiper geworden

Im Vergleich zu ihren Kindertagen ist die Re:publica deutlich internationaler geworden. 850 Speaker aus 60 verschiedenen Ländern werden erwartet. Rund ein Drittel aller Teilnehmer und Speaker kamen im letzten Jahr aus aller Welt. Für die internationalen Gäste übersetzen Dolmetscher die deutschen Sessions auf der Hauptbühne live ins Englische.

Während die erste Re:publica noch von männlichen, blassen Computer-Nerds dominiert wurde, hat sich das Publikum innerhalb der zehn Jahre deutlich gewandelt. Einerseits liegt der Frauen-Anteil bei Speakern und Teilnehmern nunmehr bei fast 50 Prozent. Andererseits tummeln sich mittlerweile auch Hipster mit Rauschebart, Designerbrillen und Skinny Jeans unter den Besuchern.

Die Konferenz ist zum Event und zum Teil des Lifestyles geworden. Re:publica-Jutebeutel, -Bändchen und -T-Shirt sind begehrte Mode-Accessoires. Das hätte vor 10 Jahren kaum jemand für möglich gehalten.

Vom Klassentreffen zum Festival für die Netzgemeinde

Die Re:publica heute hat immer noch ein wenig etwas von Klassentreffen, ist aber gleichzeitig auch eine Art Festival für die Internet-Gemeinschaft geworden. Genauso wie das Internet und die Digitalisierung ihren logischen Weg in den Mainstream gefunden haben, hat es auch die Konferenz selbst.

Zwar einst als Blogger-Konferenz gestartet, verband die Re:publica schon immer vielfältige Themen weit über die Blogosphäre hinaus.

Bei allem Erwachsen-werden hat es die Re:publica dennoch geschafft etwas Internet-Utopie zu bewahren. Selbst wenn durch das breite Themenspektrum und die unterschiedlichen Teilnehmer die Vorstellung einer homogenen Netzgemeinde mittlerweile überholt scheint.

Mit dem Wandel des Internets hat sich im Laufe der Jahre auch die Re:publica verändert und sich dabei als wichtiger Diskussionsraum für die digitale Gesellschaft etabliert. Das ist vermutlich ihr größter Verdienst.

Insofern: Liebe Re:publica, herzlichen Glückwunsch zum zehnten Jubiläum.

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