Der König ist tot, es lebe der König

Die hochgelobte Fantasy-Serie „Game of Thrones“ bietet den idealen Rahmen für eine epische Geschichte. Statt Mittelalter-Romantik gibt es hier Sex, Gewalt und Intrigen. Denn beim Spiel um den Thron ist jedes Mittel recht.

Die Handlung spielt in der fiktiven Welt Westeros, bestehend aus sieben einst unabhängigen Königreichen. Vor vielen Hundert Jahren geeint, steht das riesige Reich nach einer Rebellion seit einigen Jahren unter der Regentschaft von King Robert Baratheon. Doch der früher einmal stolze Krieger kümmert sich kaum noch um die Angelegenheiten des Landes, sondern widmet seine Zeit lieber dem Wein und den Weibern.

Nach dem Tod seines wichtigsten Beraters, Jon Arryn, bittet der König seinen alten Gefährten Eddard Stark, Lord von Winterfell, seine neue rechte Hand zu werden. Widerwillig stimmt Eddard zu.

Schmutzige Tricks beim Game of Thrones

Am Hof des Königs erwartet Eddard Stark eine Welt voller Verrat und Intrigen. Schon bald entdeckt Eddard, dass der Tod seines Vorgängers kein Zufall war und findet sich mittendrin, im „Game of Thrones“, einem Spiel bei welchem Tricksen und Betrügen nicht nur erlaubt, sondern Grundprinzipien des Spiels sind.

Eddard Stark wird gespielt von Sean Bean, bekannt als Boromir aus „Herr der Ringe“. Die Familiemitglieder des Hauses Stark bilden die Hauptfiguren der Geschichte, insbesondere der älteste Sohn Robb und sein Halb-Bruder Jon Snow.

Während Robb in Abwesenheit seines Vaters mehr und mehr in die Rolle des neuen Lords von Winterfell hineinwächst, ist seinem Halbbruder Jon ein anderer Weg vorherbestimmt. Der uneheliche „Bastard“-Sohn Eddards schließt sich der so genannten Night’s Watch, einer Elite-Einheit, die die Grenze zum Nordland beschützt, einer riesigen Mauer aus Eis. Nördlich des Landes mehren sich die Schreckensmeldungen von den „White Walkers“ einer Art Zombie-Krieger, die in Westeros seit Jahrhunderten nicht mehr gesehen wurden.

Game of Thrones = Herr der Ringe + Lost

Das Szenario und die Geschichte  von „Game of Thrones“ bieten optimale Voraussetzungen für eine Fortsetzungs-Serie bzw Serial.

Einerseits sind spätestens seit „Herr der Ringe“ und „Harry Potter“ Fantasy-Filme wieder gefragt. Darüber hinaus erfreuen sich zahlreiche Fantasy-Romane und -spiele wie „Das Schwarze Auge“, „Das Rad der Zeit“ oder „Magic The Gathering“ großer Beliebtheit und bringen quasi schon die komplexen Handlungswelten und auch die Fan-Communities mit.Gleichzeitig gibt es viele innovative, aufwendig produzierte Serien wie Dexter, Breaking Bad, The Wire und Lost . Man spricht hier auch vom Quality TV.

Insofern  ist es fast ein wenig verwunderlich, dass es so lange gedauert hat bis zum ersten Fantasy-Fortsetzungserie bzw. Serial. Sicherlich haben die hohen Produktionskosten hierbei eine große Rolle gespielt. Immerhin hat der Pilot laut Kabel-TV-Anbieter HBO zwischen 5 und 10 Millionen, die komplette Staffel zwischen 50 und 60 Millionen US-Dollar gekostet.

Sopranos in Mittelerde

„Game of Thrones“ ist für Fantasy-Fans ungewohnte Kost, weil ungeschminkt, brutal, voller Sex, Gewalt und Blut. Produzent David Benioff spricht deshalb auch von den „Sopranos in Mittelerde“, angelehnt an die bekannte Mafia-Serie und den Klassiker von Tolkien.

Auch klassische Fantasy-Elemente wie Drachen und Magie spielen kaum eine Rolle. Einzig die „White Walkers“ sorgen für etwas Mystery. (In den Büchern heißen sie übrigens „the Others“, was spontan Erinnerungen an die Mystery-Serie Lost weckt.) Im Verlauf der ersten Staffel deutet sich aber an, dass das in der folgenden Staffel anders wird.

Überhaupt bietet das Setting Stoff für eine Geschichte epischen Ausmaßes, wie sie kaum eine Serie bietet. Denn „Game of Thrones“ erzählt die ewige Menschheits-Geschichte von Aufstieg und Fall von Königreichen und den begleitenden Machtkämpfen und Kriegen, die es seit Jahrhunderten gibt.

Der Preis des Epos

Die Romanvorlage „Das Lied von Feuer und Eis“ stammt von George R.R. Martin. Bisher sind 5 Romane veröffentlicht (im Deutschen sind es 8), der Erscheinungstermin des nächsten Teils steht bereits fest. Die Geschichte des ersten Romans wird quasi in der ersten Staffel verfilmt.

Die Macht in Westeros ist unter den acht verschiedenen Häusern aufgeteilt, bestehend aus Familien-Clans. Hinzu kommen zahlreiche weitere Figuren am Hofe des Königs, an der Grenze zum Nordland und im entfernten Nachbarkontinent Essos.

Übrigens taucht auch die deutsch-türkische Schauspielerin Sibel Kekilli am Ende der ersten Staffel mit einer Minirollle auf.

Die Vielzahl von Charakteren und Clans ist immens, zeugt aber auch von der großen Komplexität des Ganzen. Das macht es für den Zuschauer nicht immer leicht den Überblick zu behalten, aber ist dann wohl der Preis des Epos. Eine gute Übersicht über die Figuren gibt es übrigens hier.

Thron- statt Frauentausch

Oftmals kommen die großartigen, meist US-amerikanischen, Serien in Deutschland erst verspätet oder nur im Pay-TV an. Nach langem Warten kommt „Game of Thrones“ allerdings auch ins deutsche Free-TV. Man kann sich zwar fragen, wieso diese von Kritikern ausgezeichnete Serie ausgerechnet bei RTL II landet, dem Sender von TV-Trash wie Frauentausch und Big Brother, aber RTL II scheint tatsächlich verstanden zu haben, wie Serials funktionieren und zeigt die kompletten 12 Episoden der ersten Staffel an einem Wochenende zur besten Sendezeit, statt über mehrere Wochen zerstückelt.

Leider bin ich bereits mit der ersten Staffel durch und muss mich jetzt gedulden bis im April die neue Staffel weitergeht. Allen anderen kann ich Game of Thrones nur wämstens empfehlen, aber Vorsicht: Suchtgefahr!

 

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