Dexter Staffel 8 – Neuer Endgegner, alte Liebe & kein gutes Ende

Die letzte Staffel um den Serienmörder Dexter bietet viele Überraschungen, lässt Logik vermissen und enttäuscht beim Finale. Soll es wirklich so enden?

In der US-Serie „Dexter“ wird die Geschichte eines Serienkillers erzählt. Dexter Morgan führt ein Doppelleben wie es unterschiedlicher nicht sein könnte.

Tagsüber arbeitet „Dex“ bei der Polizei in Miami als Forensiker und „Spatter-Analyst“ (=Blut(-spuren-)analyst) und lebt als fürsorgender Familien-Vater mit seinem Sohn Harrison in einem schicken Apartment.

Nachts ist Dexter ein eiskalter Serienmörder mit dem ausgeprägten Drang zu töten. Als sein Vater Harry das erkennt, lehrt er Dexter bereits in jungen Jahren diesen Trieb zu steuern. Er bringt seinem Sohn bei nach einem strengen Kodex zu leben, wonach Dexter nur solche Menschen töten darf, die als überführte Mörder „den Tod verdienen“, aber durch das Netz der Justiz geschlüpft sind.

Emotional gestörter Anti-Held auf Heldenreise der etwas anderen Art

Dexter lebt in der ständigen Gefahr, dass jemand sein dunkles Geheimnis entdecken könnte, was nicht nur ihn sondern auch seine Familie und Freunde bedroht.

Die Geschichte des Serienkillers hat wenig mit der modernen Heldenreise eines Joseph Campbells zu tun, bei welcher der Protagonist erst durchs Abenteuer zum Held wird und nach vielen Prüfungen gereift zurückkehrt. Der Held könnte man sagen, tut zwar in einem gewissen Sinne Gutes, weiß aber dass falls es jemals herauskäme ihm dafür kein Dank zu Teil kommen würde, sondern stattdessen der elektrische Stuhl winkt.

Die Figur Dexter hat etwas von einem Anti-Helden, der zwar stets geprüft wird, aber als Getriebener eigentlich kaum eine Chance hat am Ende der Reise irgendwo anzukommen. Bestenfalls das „normale Leben“ stellt eine Art Ziel für den Protagonisten dar.

Trotz allem entwickelt der Zuschauer Sympathie für den emotional gestörten Helden, der eine sehr interessante Entwicklung im Verlauf der Staffeln durchläuft.

Der nette Serienmörder von nebenan als Beobachter und Philosoph

Der Protagonist selbst übernimmt in der Serie die Rolle des Erzählers, der trotz aller Mordlust sein Verhalten und die eigene Rolle, reflektiert und die Oberflächlichkeit seiner Mitmenschen treffend beobachtet und pointiert sichtbar macht.

Dabei beschäftigt sich Dexter bzw. die Serie mitunter mit philosophische Fragen, nach Normen und Werten sowie Ethik und Moral in unserer Gesellschaft.

„Dexter“ läuft mittlerweile seit dem Jahr 2006 und gehört zu den üblichen Verdächtigen bei der Verleihung von Emmys und Golden Globes. Die Liste der Preise und Nominierungen ist lang, auch die hiesigen Kritiker sind begeistert vom „netten Serienkiller von nebenan“.

(SPOILER-GEFAHR) 8. Staffel: Neuer Endgegner, alte Liebe und Gehirninselrinde

In der 8. und letzten Staffel der Serie hat Dexters Schwester Debra (Jennifer Carpenter, die im englischen Original viel besser ist als in der synchronisierten Fassung), die wichtigste Figur der Serie nach dem Protagonisten, bei der Polizei gekündigt und arbeitet mittlerweile als Privatdetektivin. Nach den Ereignissen der letzten Staffel, in welcher sie Dexters dunkles Geheimnis entdeckt und um ihren Bruder zu schützen Lieutenant María LaGuerta erschießt, ist Debra psychisch sehr labil und entwickelt ein Alkoholproblem.

Gleichzeit tritt (wie in jeder Staffel) ein neuer Serien-Killer als Endgegner aber auch als Seelenverwandter von Dexter in Erscheinung. Der „Brain-Surgeon“-Killer tötet seine Opfer indem er ihnen die Inselrinde im Gehirn entfernt, was sofort Dexters Interesse weckt.

Zudem wird eine weitere neue Figur in die Serie eingeführt: Neuro-Psychologin Dr. Vogel (gespielt von Charlotte Rampling) ist eine alte Bekannte von Dexters verstorbenem Vater. Wie sich herausstellt entwickelte sie einst mit Harry zusammen den Kodex, nach dem Dexter lebt und Leben auslöscht. Dr. Vogels wahre Motive bleiben anfangs unklar, dennoch öffnet sich ihr Dexter und die Psychologin entwickelt sich zu einer Art Ersatzmutter.

Gleichzeitig taucht Dex große Liebe aus Staffel 7 Hannah McKay wieder auf und die Liebe flammt erneut auf. Eeeeeeverlasting Love.

Staffel-Finale: Die Buckelige Verwandtschaft, ein Orkane & ein tödlicher Stift

Das Staffel-Finale ist wie gewohnt extrem spannend, aber auch mitunter voller Ungereimtheiten. Dexter und Hannah, die als geflohener Häftling gesucht wird, wollen zusammen mit Sohn Harrison in Argentinien ein neues Leben beginnen.

Einige Episoden vorm Finale stellt sich heraus, dass der „Brain-Surgeon“ Daniel alias Oliver Saxon der verrückte und einst für tot erklärte Sohn von Dr. Vogel ist. Der ungeliebte Saxon tötet seine Mutter und schießt Debra an.

Derweil fegt ein Orkan über Miami. Debra fällt ins Koma, ohne Chance auf Heilung wie die Ärzte Dexter mitteilen.

Saxon hat sich mittlerweile der Polizei gestellt und glaubt vor Dexter geschützt zu sein. Der schafft es jedoch seinen Endgegner mit einem einfachen Stift zu erledigen und das Ganze als Notwehr darzustellen.

Der traurige Holzfäller und Serienkiller –  Dexter goes Canada?

Anschließend fährt Dexter ins Krankenhaus und schaltet die Debras Beatmungsgerät ab und fährt mit ihr in den Sturm vor Miamis Küste und versenkt seine Schwester im Meer. Die leblose Debra versinkt in den Fluten des Golfs von Mexiko.

Der Zuschauer glaubt für einen kurzen Moment auch Dexter würde von dieser Bootsfahrt nicht mehr zurückkehren, aber in der letzten Szene der Episode erkennt man dass er überlebt und alles hinter sich gelassen hat (auch Harrison und Hannah) um ein Leben als (einsamer) bärtiger Holzfäller zu führen.

Es scheint als hätte sich der Protagonist quasi in die Einöde und Isolation begeben um sich selbst zu bestrafen (oder nicht mehr Schaden anzurichten).

Staffelfazit: Lauter Knall, wenig Logik und ein enttäuschendes Ende

Summa summarum: Die 8. Season verwickelt sich in zu vielen Handlungssträngen und lässt den roten Faden sowie mitunter die Logik vermissen. Die letzte Staffel wirkt dabei wie eine dazwischen geschobene Staffel und verpasst es einer großartigen Serie ein würdiges Ende zu verschaffen.

Das Finale endet mit einem lauten Knall, erzeugt viel Rauch, aber kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Staffel nicht mehr an die Klasse der grandiosen Staffeln Zwei oder Vier herankommt.

Fans sind sich einig: Zweitschlechteste aller Dexter-Staffeln

Auch die Reaktionen von Kritikern und Fans sind größtenteils negativ.

Laut dem Bewertungsportal Metacritic ist Staffel 8 die zweitschlechteste aller Dexter-Staffeln mit einer besonders schlechten Userbewertung von 5,6 (auf einer Skala von 1 bis 10).

Auch bei Rotten Tomatoes erzielt die letzte Dexter-Staffel mit gerade mal 63% ein äußerst schlechtes Ergebnis.

Kritisiert werden insbesondere die vielen Ungereimtheiten in der Geschichte, wie beispielsweise, dass Dexter einfach so in die Zelle von Oliver Saxon hineinspazieren kann, der als Serienkiller ohne Handschellen und Bewachung nur auf Dexter zu warten scheint.

Sender Showtime denkt über Dexter-Spin-off nach

Laut Produzentin Sara Colleton ist die achte die letzte Staffel. Aber soll es das tatsächlich schon gewesen sein? Das Ende bleibt inkonsequent und lässt ein Türchen offen für eine Staffel 9.

Allerdings denkt Sender Showtime bereits über ein Spin-off nach. Genaueres ist aber noch nicht bekannt.

Eigentlich wäre Debra hierfür die perfekte Figur gewesen. Wenn man sie nicht statt Dexter bereits reichlich sinnlos „geopfert“ hätte.

Danach kommen höchstens noch Dexters große Liebe Hannah McKay und Sohn Harrison als Protagonisten in Frage. Nach dem enttäuschenden Serien-Finale weiß man aber nicht so recht, ob man sich über ein Spin-off wirklich freuen würde.

 

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