Browser Wars: Google strikes back

Wettstreit der Big Three: Microsofts Internet Explorer, Googles Chrome und Mozillas Firefox kämpfen im Browsermarkt um die Vorherrschaft. Das Dreier-Duell erinnert ein wenig an den ewigen Kampf Gut gegen Böse. Und je nachdem welcher Statistik man glaubt, gewinnen David, Datenkrake oder doch ein Anderer?

Normalerweise hängen am Bahnhof Alexanderplatz, einem der Berliner Hauptumsteigepunkte, die bunt-gemischten Plakate von Modeketten, Mobilfunkanbietern oder Pay-TV-Sendern. Manchmal findet man aber auch zusammenhängende exklusive Plakatkampagnen, wie eine Reihe von Making-Of-Fotos zum Start des neuen Batman-Films.

Auch die Mozilla Foundation hat hier den kompletten U-Bahnsteig gebucht. Das amerikanische Open-Source-NGO rührt die Werbetrommel mit ihrem “Zugfuchs”. Auf den grün-gefliesten Wänden leuchten die Plakate im Firefox-Orange, auf denen zu lesen ist: ”Wir arbeiten für Euch. Nicht für Aktionäre”. Übersetzung: Wir sind die Guten.

Spekulatius, Lebkuchen und Firefox

Warum die Stiftung mit der Echse im Logo gerade jetzt wirbt? Die weihnachtliche Spendenzeit ist ja eigentlich noch etwas hin. Andererseits gibt es bereits Lebkuchen und Spekulatius im Supermarkt.

Allerdings machen die Spendengelder ohnehin nur einen geringen Teil der Einnahmen von Mozilla aus. Den größten Teil der Erlöse generieren die Kalifornier über Abkommen mit Suchmaschinenanbietern wie Google.

In Deutschland ist Mozillas Firefox jedenfalls mit ca. 42 Prozent der meistgenutzte Browser. Allerdings ist Google Chrome, glaubt man Statcounter, mittlerweile weltweit der beliebteste Browser mit 33,5 Prozent, knapp vor dem Internet Explorer mit 33 Prozent und dem Firefox mit 23 Prozent.

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Internet Browser Nutzung weltweit von August 2011 bis August 2012, Quelle: http://gs.statcounter.com/#browser-ww-weekly-201121-201221

Jedoch sind diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Wikipedia schreibt hierzu: “Da die generelle Verbreitungsrate eines Browsers von verschiedensten Faktoren beeinflusst wird, sind diese Statistiken unterschiedlich aussagekräftig und kommen zu teilweise stark unterschiedlichen, scheinbar widersprüchlichen Ergebnissen.”
Insofern schwankt der Marktanteil vom Firefox auch je nach Quelle zwischen  18 und 35 Prozent.

Allerdings lassen die Statistiken dennoch Rückschlüsse auf Marktentwicklungen zu. Glaubt man Statcounter, dann hat der Firefox innerhalb der letzten 12 Monate Marktanteile eingebüßt und ist  von 27,5 Prozent auf 23 Prozent gefallen. Die Verluste von Microsofts Internet Explorer waren im selben Zeitraum mit 9 Prozent sogar noch größer, während vor allem Google Chrome mit über 10 Prozent stark zulegen konnte.

Diese Trends bestätigen auch W3Counter, Netmarketshare und Webtrekk, wenn auch etwas abgeschwächt. Demnach legt der Chrome zu und ist auf dem Weg zur Browserkrone (die er laut mancher Statistik-Seite bereits erreicht hat). Der Internet Explorer als einstiger Alleinherrscher im Browsermarkt setzt seinen 2004 begonnenen kontinuierlichen Niedergang fort, bleibt aber dennoch Googles größter Gegenspieler, und der Firefox verliert seit über einem Jahr deutlich Marktanteile.

Der nächste große Browser-War wird im Mobile Internet entschieden

Das starke Wachstum von Chrome und die Verluste von Firefox hängen sicherlich zusammen. Nach anfänglichen Kinderkrankheiten hat Chrome innerhalb der relativ kurzen Zeit von vier Jahren nicht nur zur Konkurrenz aufgeschlossen sondern setzt mittlerweile auch Standards. Das unterstreicht der Umstand, dass die aktuelle Firefox-Version ein wenig vom Chrome abkupfert, während sich zuvor lange Zeit die Konkurrenz am Firefox orientierte.

Die Erweiterbarkeit durch eine Vielzahl an Addons hat Mozilla als Alleinstellungsmerkmal zwar verloren, dennoch bleibt die Vielzahl an Plugins und die große Entwickler-Community sicherlich der größte Vorteil des Firefox. Damit dürfte man die Bronzemedaille im Wettstreit sicher haben.

Der nächste große Browser-War wird aber nicht im klassischen Internet entschieden, sondern im Mobilen. Hier sind die Machtverhältnisse noch einmal komplett verschieden, denn es kommt mit Apples Safari ein weiterer Player ins Spiel, der bei der klassischen Browser-Nutzung keine große Rolle spielt, der aber durch seine Tablet- und Smartphone-Dominanz, glaubt man der Statistik, den mobilen Internet-Markt beherrscht. Aber das war beim Internet-Explorer vor zehn Jahren ja auch so.

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